CareSlam!

Wir reden!

Generalprobe zum fünften CareSlam von Pflegekräften in Berlin

Wir wollen kritisch sein!

Ich freu mich, dass es den CareSlam gibt und dass Pflege endlich anfängt, ihren Senf dazuzugeben, das wird nämlich wirklich höchste Zeit.
— Eva-Maria Endruweit.

Wir sind erschöpft. Wir sind frustriert. Wir sind wütend. Wir sind traurig. Manchmal resignieren wir. Manchmal sind wir kämpferisch.

Aber immer wissen wir, wovon wir sprechen. Wir reden nicht über die Pflege, wir reden aus der Pflege. Wir sind die Pflege und wir reden - endlich. Hört uns zu!

Pflege lebt, fühlt sich an, berührt, kommuniziert.
— Anja Herzog.
Überlastungsanzeigen. Wenn ich das Wort nur nenne: Überlastungsanzeige. Zum Teil kommt ‘Was ist das?’. Das sollte eigentlich jeder kennen in der Pflege! Oder es kommt die Aussage ‘Das wird hier bei uns nicht gern gesehen”. Also ich seh es auch nicht gerne, wenn ich überlastet bin, ich sehe es auch nicht gerne, wenn ich keine Pause machen kann und ich sehe es auch nicht gerne, wenn der pünktliche Feierabend nicht stattfindet. Aber es wird einfach nicht gemacht. Auch das ist dumm.
— Claudia Hanke.
Nicht umsonst ersetzen wir nun das Wort Pflege durch ‘Care’: Care Care, CareSlam, iCare. Who cares? Versuchen damit Vorurteile fernzuhalten. Aber das Wort verändert die Lage nicht.
— Esma Özdemir.
Ich überlegte, was ich eigentlich da will, in der Politik. Ich will die Pflege verbessern, ich will den Kollegen helfen, ich will Auszubildende und Studenten selbstbewusst machen und auch kritisch.
— Marika Lázár.

Wir kennen unsere Grenzen, aber keine zwischen den Menschen.

Dritter CareSlam in Berlin

Wir kennen die unterschiedlichen Formen der Pflege und der Pflegebedürftigkeit. Die Unterschiede, die in der Individualität der Menschen bestehen. Ihrer Persönlichkeit und ihres Krankheitsbildes.

Aber wir kennen keine Unterschiede nach Herkunft, Glauben, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder Geschlecht.

Bei aller Konkurrenz und innerhalb und außerhalb der Fachdisziplinen und der Sticheleien zwischen OP- und Anästhesie-Personal, ob des wirtschaftlichen Drucks durch höhere Fallzahlen und weniger Personal, dürfen wir alle aber nie vergessen: es geht immer um die Menschen, die vor uns liegen und uns ihre Gesundheit, manchmal auch ihr Leben, aber auf jeden Fall ihre Würde in die Hände legen. Dabei spielt es keine Rolle, ob schwarz, weiß, rot oder gelb. Moslem, Jude, Christ, Hindu, Buddhist oder Zeuge Jehovas. Die Würde bleibt unantastbar und gehört in diesem speziellen Bereich besonders geschützt.
— Mathias Düring.
Professionelle Pflege und rechte Gewalt sind unvereinbar!
— Andreas Westerfellhaus (Deutscher Pflegetag 2016).
Wir brauchen eine Pflege ohne Stacheldraht, eine Pflege ohne Rassismus.
— Yvonne Falckner.
Menschen in allen Ländern dieser Erde kümmern sich um ihre Freunde oder auch Verwandte. Dabei kommt es nicht darauf an, welcher Religion man angehört, welcher sexueller Gesinnung oder welcher Hautfarbe man hat.
— Annett Metzenthin.
Ich sehe die Angst und den Hass in vielen Gesichtern und denke, Resilienzen wären nicht schlecht.
— Kerstin Vietze.

Wir wollen selbstbewusst sein.

Wir werfen die alten Symbole über Bord. Selbstermächtigen uns, für uns zu sprechen. Wir sind kompetent und selbstbewusst.

Wir müssen unsere Symboliken ändern, wir müssen aufhören, wir müssen weg davon. Bewusster werden, aktiver werden und mitgestalten. Und das bedeutet nicht, dass man immer alles macht, was von einem abgefordert wird. Auch nicht für die armen Patienten.
— Monja Schünemann.
Ich habe dieser Tage ein Statement bekommen von dem Chef der Deutschen interdisziplinären Vereinigung der Intensivmediziner, der eine Stellungnahme gegen die Generalistik abgeben wollte. Da hat er mich gefragt: Was soll ich schreiben?” Da hab ich gesagt: “Gar nichts! Halten Sie sich einfach raus! Es geht um unseren Beruf!
— Andreas Westerfellhaus.
Nein, warum sollte ich es ihnen das so einfach machen? Ich möchte eigentlich ihr Stachel sein - und bleiben.
— Marika Lázár.
Es ist richtig dazu zu stehen. Ich liebe sie, ja, ich liebe die Pflege. Ich lebe sie. Ja, ich pflege!
— Esma Özdemir.

In Reimform.

Jeder findet seinen Weg, sich auszudrücken. Sich vom Druck zu entlasten. Das Unausgesprochene zu sprechen. Sprache zu finden, zu erfinden. Manchmal singen, rappen, reimen wir dafür auch.

Mein Mund der ist leise, mein Herz schreit nach Liebe.
Ich weiß doch du hast keine Zeit.
Gedanken ziehn Kreise, oft denk ich an Kriege und an eure Gleichgültigkeit.
— Elisabeth Schwarz. (Kind. Mutter. Mensch).
Alles was sie aufbauten, mussten sie aufgeben,
seitdem sie in unserem Haus leben,
es gab leider keinen zweiten Weg,
aber ich werde ihnen immer so gut es geht beiseite stehen.
— IDREF. (Alt und krank).
Röntgenstrahlen wie abserviert,
sind Menschen Zahlen durchnumeriert.
Nur ein Geräusch erfüllt den Zweck,
der Zeiger täuscht drüber hinweg,
er tickt so laut unter meiner Haut,
der Gang ist leer und mir wird schwer.
— Achim Reichert.

Was bleibt.

Ach ja, und ich möchte kein Haldol, kein Benzodiazepin, Quetiapin oder Promethazin. Ich bitte Euch nur um eines, gebt meinem Leben dann noch irgendeinen Sinn und nehmt mir noch mehr von meiner Persönlichkeit hinter einem Schleier aus durch Antidepressiva erzwungender Heiterkeit. Überlegt Euch dreimal, welches Medikament mir wirklich etwas bringt und nicht nur Euch nicht mehr dazu zwingt, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Irgendwann muss jeder gehen.
— Sabrina Maar.
Am Ende bleibt als Antwort der Satz Sigmund Freuds: “Wir heilen eigentlich durch Liebe”. Also nicht durch die Analyse, sondern durch die Beziehung und, im übertragenen Sinne, Hundertwassers “Das Paradies beginnt beim Nachbarn”. Bei Ihnen, bei Ihnen, bei Ihnen, bei dem Obdachlosen in der S-Bahn nebenher und bei all den anderen Menschen. Und diese Antworten sind der Tod der Frage, denn diese Antworten will keiner hören
— Lutz Müller-Bohlen.