Der neunte CareSlam!

Der CareSlam ist einfach ein wunderbares Format. So viele tolle Begegnungen und der Auftritt hat auch Spaß gemacht
— Meine Name ist Hase (auf Facebook).

Der neunte CareSlam ist wieder zu Gast im diesmal ausverkauften Kulturhaus Alte Feuerwache.

Die CareSlam-Reihe bietet seit 2015 Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Pflege die Möglichkeit frei vom Wettbewerbsgedanken aus ihrem Alltag unter den Bedingungen des Pflegenotstandes in Deutschland zu berichten.

Der Abend steht diesmal unter dem Eindruck der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD und dem Sondierungsergebnis zum Thema Pflege, welches bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein darstellen kann.

Den Beginn des Abends übernimmt Damaris Meyer mit ihrem CareSlam. Sie erzählt von ihrem Kollegen "Lukas", der langsam in ein Burnout hineingleitet Die Leitung lobt sie dafür, dass sie hervorragende Teamfähigkeiten besitzt und durch die Sensibilität für ihren Kollegen Schlimmeres verhinderte. Lukas wird nach seiner Reha zurückkehren können.

Symbolisch für den Widerstand gegen eine Fortsetzung solch verfehlter Pflegepolitik wird ein kranker Gartenzwerg auf die Bühne geschoben und die Anstaltsleitung in Person von Yvonne Falckner kümmert sich um diesen höchstpersönlich im Büro. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte den Widerstand innerhalb der SPD gegen eine Neuauflage der Großen Koalition als "Zwergenaufstand" bezeichnet.

Florian Kotzur beeindruckt mit einem sehr tiefsinnigen CareSlam über die Situation der Pflege und erklärt damit einen Teil der Gesamtsituation und somit wie es dazu kommen konnte, dass der Zwerg krank wurde.

Die Anstaltsleitung bekommt es mit der Angst zu tun und verspricht dem jungen Mann, wenn er es schafft, was er im Beitrag von sich gegeben hat umzusetzen, dass sie ihm die gesamte Leitung übertragen und ihren Stuhl räumen wird. Sie ruft bei Herrn Gröhe an, um diesem mitzuteilen, dass das Meisterwerk eines Krankenhauses, einer vorzüglichen Medizin, Pflege, Sozialarbeit und Bildung aufgeflogen sei und der junge Krankenpfleger ein großes Talent habe und Herr Gröhe doch bitte endlich umschwenken soll, damit die Anstaltsleitung nicht gezwungen wäre, nun doch ebenfalls an die Öffentlichkeit zu gehen, um über die Missstände Klartext zu sprechen.

Die Krise spitzt sich weiter zu, mittlerweile bekommt die Anstaltsleitung schon Kündigungen von Leasingkräften, weil selbst diese lieber in die Schweiz verschwinden möchten. Hierzu glänzte Christiane Büchner mit einem re­fle­xiven Beitrag über "Achtsamkeit in der Pflege". Ihr Widergang (Weggehen, um Widerstand zu leisten) findet tatsächlich in ein paar Wochen in ihrem wirklichen Leben statt. Dies ist ein großer Verlust.

Die Anstaltsleitung muss Herrn Gröhe mitteilen, dass die Menschen reihenweise in das Happy Heidi Land abhauen.

Nach der Pause sollen die Verluste der kurzen Schicht kompensiert werden und Katharina Schurr wird erneut zum Wiedereingliederungsgespräch eingeladen. Die Leitung hat Hoffnung sie endlich zurück in den Beruf zu integrieren und möchte sie gerne erobern, doch stattdessen wiederholt Katharina Schurr in "Optimierung", warum sie aus der Pflege (Pflexit) gegangen ist und auch weiterhin draußen bleiben wird.

Die Leitung schlägt sich noch mit einer anderen Dimension herum. Das Haus ist einfach noch nicht ausreichend demenzsensibel, deswegen wird das Publikum kurz über Auguste D. informiert. Auguste D. ist die erste Alzheimer- Patienten an ihr konnte Alois Alzheimer 1906 nach ihrem Tod die Erkrankung nachweisen. Um alle nachgekommenen und nachkommenden Demenz- Betroffenen gerecht zu werden, möchte die Leitung einige Pflegefachkräfte zu soziale Gerontologen*innen weiterbilden lassen , um sich hierüber zu infomieren, spricht sie mit Prof. Dr. Barbara Weigl, Professorin für soziale Gerontologie und lässt sich den Studiengang vorstellen. Es sind an der katholischen Hochschule Berlin (khsb) noch wenige Studienplätze für das kommende Semester ab April frei. Informationen finden sich auf der Website. Die Anstaltsleitung findet etwas Ruhe und beginnt gleich mit der Umsetzung von mehr Freundlichkeit im Haus. Hierzu lädt sie Bettina Spindler-Hötger und Christel Spindler ein. Die 80 jährige Christel Spindler spielt und erzählt über die Not und Scham bettlägeriger oder im Rollstuhl sitzender Menschen. Bettina Spindler-Höttger stellt hierzu modische Lösungsmöglichkeiten vor.

Doch das Glück soll nicht lange verweilen, nun bricht auf das vorzügliche CareSlam-Haus auch noch der ambulante Bereich ein und im artistischen Beitrag "Willkommen im Zirkus Ambulant" von Annette Hengge wird endgültig klar, dass die Pflegepyramide gefährlich wackelt.Ein letztes Mal ruft die Leitung Herrn Gröhe an um mitzuteilen, dass er und alle, die daran beteiligt sind umschwenken sollen, denn wenn die Zwerge aufstehen, werden Riesen (Pflegekräfte) vor ihnen stehen.. Sie habe schließlich jeden Tag mit diesen Menschen zu tun.

Die musikalische Unterhaltung nahm "Mein Name ist Nase", der mit seinen Background-Sängerinnen rappte. Seine Raps sind entstanden anhand von Biografiearbeit mit Menschen mit Demenz.

Wir möchten uns recht herzlich bei allen CareSlammern bedanken!

Die Schicht war dank Eurer Freude und wunderbaren Texten einfach wieder einmal einmalig. Es ist immer wieder schön zu sehen, zu spüren und auch an sich selbst zu erleben, dass wir im Miteinander, einen Gewinn für jeden Einzelnen und das Team herausholen können. Ohne Euch wären diese Erfahrungen nicht möglich.

 

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