Der achte CareSlam!

Die von Yvonne Falckner vor annähernd zwei Jahren initiierte, politische Veranstaltungsreihe wird mit dem achten CareSlam fortgesetzt. Auf der Bühne des Kulturhauses Alte Feuerwache in Berlin Friedrichshain treten auch diesmal Menschen aus der Pflege und verwandten Berufen auf, um über ihre persönliche Situation, aber auch die der Pflege insgesamt zu sprechen.

Beim CareSlam, der dem Poetry Slam angelehnt, jedoch ohne Wettbewerbsgedanken abgehalten wird, haben die Teilnehmer rund zehn Minuten Zeit für ihren Vortrag.
Yvonne Falckner war beim Workshop für Öffentlichkeitsarbeit für Pflegeberufe und hat für die CareSlam-Klinik die Social-Media Plattform „ZITTER“ entwickelt. Mit „ZITTER“ ist es möglich für eine transparente Öffentlichkeitsarbeit zu sorgen, die Follower sind sozusagen direkt am Tremor der Pflege. Während der gesamten Schicht wurden deshalb „ZITTEREIEN“ abgesetzt.

Den Abend eröffnet Beatrix Langenecker mit einem Slam über die ungeheuren Belastungen der Pflegearbeit und den Auswirkungen auf sie und ihre Familie. In der RICH-Nursing Study wurden bereits 2004 hohe Burnout-Werte gefunden. Mit der zunehmenden pflegerischen Dichte bei weiterhin angestiegenen Personalmangel dürften diese Werte inzwischen deutlich angestiegen sein. Wie es sich anfühlt, wenn die Erschöpfung sich langsam einen Kanal sucht, hat Langenecker hervorragend auf der Empfindungsebene vorgetragen.

ZITTER 1: Unser Krankenhaus verschenkt an Pflegekräften mit Kindern zur Förderung der work life balance Freikarten für Freizeitparks. Unser Krankenhaus zeigt hiermit seine besondere Familienfreundlichkeit.

Eckhard Pawlowski beschrieb emotional und einfühlsam die Gedankenwelt von Demenzkranken und wie sie ihre Umwelt im Krankenhaus wahrnehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund ihrer traumatischen Erfahrungen im zweiten Weltkrieg. Pawlowski schaffte es sich zum Anwalt für die Schwächsten zu machen indem er sich selbst als Beispiel während eines Krankenhausaufenhalts nahm. Er regte dadurch zu einem Perspektivwechsel an.

ZITTER 2: 80% der Menschen mit Demenz rutschen bei Krankenhausaufnahme ins Delir. Wir werden deswegen Delirbegleiter einsetzen und Nesteldecken kaufen.

Rhavin Grobert von der Partei Die PARTEI offenbart, dass sich auch diese nicht wirklich für die Pflege interessiert, obwohl sie natürlich sehr gut ist. Grobert wollte unbedingt die abgewählten Politiker und Verwaltungsangestellten für die Pflege qualifizieren. Da er hiermit lediglich die allgemiene Meinung „Pflege kann jeder“ wiederspiegelte wurde er von Falckner dazu angehalten sich noch einmal dringend mit der Pflege zu beschäftigen.

ZITTER 4: Wir haben Rhavin aufgetragen, dass Die PARTEI einen eckigen Pflegetisch mit dem Kançler einberufen soll.

Katharina Schur beschreibt ihre Liebe für die Pflege und warum sie aus dieser Liebe heraus die Pflege verlassen musste. Die durchschnittliche Verweildauer im Pflegeberuf beträgt acht Jahre. In der Statistik werden häufig Rückenschmerzen, Burnout und Erschöpfungssyndrome als Grund für den Berufsausstieg geführt. Schur berichtete mit tiefer Emotionalität und langsam, den von ihr durchgemachten Prozess, der dazu führte letzendlich einen geliebten Beruf zu verlassen. Yvonne Falckner versuchte die examinierte Krankenpflegerin in einem Wiedereingliederungsgespräch wieder für den Beruf zu gewinnen.

ZITTER 3: Die Wiedereingliederung ist nicht gelungen. Wir haben wieder eine Pflegekraft verloren.

Für die Musik sorgt diesmal wieder Elisabeth Schwarz mit einem neuen Song, der auf dem CareSlam Premiere hat. Die hochmusikalische Schwarz beschreibt im Lied die Absurditität der Pflege-Charta im Kontext der Pflegerealität und zeigte uns wie sie mit den Widersprüchen der Pflege umgeht. Sie schaffte es uns mit Gelächter in die Nachdenklichkeit zu treiben.

ZITTER 5: Die 6 Millionen- Charta haben wir in 4 Minuten ausgelacht.

Christine Vogler hält ein flammendes Plädoyer für die generalistische Pflegeausbildung. Im Gleichnis konnte sie überzeugen, dass die Unterschiede in der Pflege letztendlich durch das Zusammenwachsen der Profession zu starken Wurzeln führen wird.

ZITTER 6: Die Generalistik soll die Profession verbinden. Mit starken Wurzeln die Pflege zukunfstfest machen.

Antonia Weber slammt über ihre Erfahrungen mit der Pflege von Obdachlosen und schwerst Drogenabhängigen und dem ungerechten Umgang mit diesen, auch durch anderes Pflege- und Ärztepersonal. Weber ging ins Gericht und fragte sich, ob wir Profis nicht auch oft unsere Haltung überdenken müssen, um Menschen mit schwersten Störungen aus dem psychiatrischen Formenkreis mit Achtung zu begegnen. Sie erinnerte daran, dass es Menschen gibt, die noch weniger Stimme und gesellschaftliche Teilhabe als Pflegekräfte haben.

ZITTER 7: Wir werden ein Budget einräumen für Menschen ohne Versicherung. Die heilige Antonia überzeugte uns.

Den Abend beschließt Stefan Schulz mit einem Slam über die ambulante, forensische Betreuung. Er zeigt uns hierbei in einer tiefen und auch harten Auseinandersetzung wie häufig er in die Eigenreflexion gehen muss, um Übertragungen und eigene Emotionen schneller zu erkennen. In seinem beruflichen Bereich muss sich die Pflegekraft sehr gut kennen, um die Beziehungsgestaltung kongruent aufrechtzuerhalten.

ZITTER 8: Die kongruente Beziehungsgestaltung ist im Umgang mit chronisch Erkrankten ein wesentlicher Aspekt der pflegerischen Haltung.

Zum Schluss freut sich Falckner noch einmal über die vielen Gesichter und Stimmen der Pflege und ist froh, dass sie sich nicht nur für eine Person als Werbeträger entschieden hat, sondern durch das Hervorheben der unterschiedlichen Pflegepersönlichkeiten und
Aufgabengebiete auf die breite gesellschaftliche Kompetenz von Pflege und Pflegepersonen hinweisen kann.

ZITTER 8: Die kongruente Beziehungsgestaltung ist im Umgang mit chronisch Erkrankten ein wesentlicher Aspekt der pflegerischen Haltung.

Abschließend mahnt sie jedoch, dass es noch viel zu tun gibt. Sie weiß nicht, wie das Team die Schicht geschafft hat, aber sie haben es geschafft und wieder einmal das Beste gegeben. Sie möchte der Politik noch einmal folgende Zitterei mitgeben, damit diese schnell handeln kann und der Pflegenotstand in der Tiefe angehen kann:

ZITTER 9: Es läuft, aber es läuft nach unten. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

 

 

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