CareSlammerin Sabrina Maar bei "An einem Tisch mit Angela Merkel"

Wir lassen uns die Zeit nicht mehr nehmen.

Am 20.08.2017 fand die Aufzeichnung der Sendung "An einem Tisch mit Angela Merkel" von SpiegelTV statt. Die Sendung sollte Bürgern vor der Bundestagswahl ermöglichen, der Kanzlerin Fragen zu wichtigen, gesellschaftlichen Themen zu stellen. Dazu wurden vorher Menschen gesucht, die ihre Anliegen zu den geplanten Themen vortragen wollten. Als Themen wurden die Flüchtlingshilfe, Altersarmut, Diesel-Skandal, Innere Sicherheit, Steuerentlastung für Alleinerziehende und die Pflege ausgewählt.

Wir hatten Sabrina Maar, eine 29jährige Auszubildende der Altenpflege, vorgeschlagen und das große Glück, dass sie sich durchsetzen konnte.

In der Vorbereitung wurde Sabrina Maar in ihrer Heimat besucht, um Aufnahmen aus ihrem Leben zu filmen.

Sabrinas Frage an die Bundeskanzlerin sollte lauten:

„Was wollen sie in der nächsten Legislaturperiode konkret durchführen, um die immensen körperlichen und seelischen Überlastungen der Pflegekräfte zu reduzieren, und um die Verweildauer im Beruf zu erhöhen?“

Sabrina Maar setzte sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema auseinander und arbeitete sich tiefergehend ein, um im Studio im Tischgespräch mit der Kanzlerin auch einen ordentlichen Unterbau an Fakten vorweisen zu können.

Im Studio war die Vorbereitung und Versorgung der Gäste positiv und gut organisiert. Die Stimmung war heiter und gelöst und es war spürbar, dass die Menschen, ernsthaftes Interesse an dieser Aufzeichnung hatten. Der warming up Moderator Marco Ammer schaffte es auf unterhaltsame Art und Weise, die Gepflogenheiten einer so großen Aufzeichnung, dem Publikum nahezubringen.

Als erstes Thema wurde Innere Sicherheit gewählt. Es kam ein Mann an den Tisch, der an der Gedächtniskirche den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt überlebt hat und der natürlich durch den jetzigen Angriff in Barcelona, brennende Fragen hatte. Peter Kloeppel moderierte geschickt und doch fiel relativ schnell auf, dass das Zeitmanagement vermutlich nicht eingehalten werden kann.

Alle Bürger stellten ihre wichtigen Fragen und Angela Merkel nahm sich für die Antworten ausführlich Zeit. Lediglich die Zeit nahm sich keine Zeit, sondern Schritt unaufhaltsam voran.
Plötzlich ging ein Zeichen an Sabrina Maar, dass der Pflegeblock nicht mehr gezeigt werden kann. Sabrina zeigte sich enttäuscht und es war ihr anzumerken, dass sie um sich ringen musste.

Es war eine schwierige Situation und mir als ihre Begleiterin gingen tausend Gedanken durch den Kopf: Sie ist Auszubildende. Sie spürt jetzt genau dieses Verschluckt werden im großen Weltengetriebe.

CareSlam steht jedoch für Mund aufmachen und sie hat unsere Bühne mit ihrer hohen Sprachbegabung eindringlich mitgeprägt. Jetzt muss ich den Mund aufmachen, also richtete ich das Wort an die Bundeskanzlerin Frau Merkel: „Frau Merkel, hier ist eine junge Frau. Sie ist Auszubildende in der Altenpflege und sie wäre noch mit ihrer Frage dran. Sie ist jetzt etwas enttäuscht.“

Das Publikum schwieg und nickte anerkennend. Sabrina bewahrte die Fassung und ging zu Frau Merkel an den Tisch. Trotz hoher emotionaler Anspannung und all der geschluckten Enttäuschung richtete sie ihre Frage an die Bundeskanzlerin und merkte zudem an, dass es doch fast schon sarkastisch wäre, dass das Pflegethema heute wegen mangelnder Zeit hinten runterfallen musste, wo es in der Pflege ja auch keine Zeit mehr gibt und man fast nur noch Körper, aber keine Menschen mehr pflegt. Die Kanzlerin zeigte sich sichtlich berührt. Die Kameras nahmen das Gespräch, das nicht mehr zustande kommen sollte, auf. Hinterher erhielt Sabrina einen großen Applaus und es flogen anerkennende Worte wie Respekt durch den Raum. Vom Team gab es vereinzelten Dank für den bürgerlichen Ungehorsam. Frau Merkel versprach, dass man sicherlich noch einmal für die Pflege zusammenkommen könnte.

 © Marco Ammer

© Marco Ammer

Wir von der Pflege sagen: Wir lassen uns die Zeit nicht mehr nehmen. Wir sind überall dort, wo Menschen leiden, z.B. in der Pflege von Schwerstverletzten nach Terroranschlägen. Wir trösten die Tränen von Menschen, die Betroffene von Altersarmut sind. Wir versuchen auch unsere Kolleginnen, die Alleinerziehend sind, zu unterstützen, dass sie im Beruf bleiben können. Wir sind überall dort, wo Herr Kloeppel von kleinen Stellschrauben gesprochen hat und wir könnten eines Tages die Nachtschwester von Herrn Kloeppel sein.

Damit wir hierbei Ruhe haben, wünschen wir, dass es noch einmal vor der Wahl eine Sendung mit Pflegefachkräften gibt. Wir haben einen hohen gesellschaftlichen Wert und wir müssen reden.