CareSlam und Pflege in Bewegung rufen zu Gefährdungsanzeigen an Minister Gröhe auf!

Im Vorfeld der heutigen Sendung "Die Anstalt" war auf deren Webauftritt zu lesen:

"Als Besetzer eines ZDF-Fernsehstudios rütteln die Vollblutkabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner an den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen des Landes. Gemeinsam mit ihren Gästen wollen sie hier "Stimme sein für Ungehörtes und Unerhörtes"."

Mit der heutigen Sendung ist es der oftmals ungehörten Pflege wieder einmal gelungen, in einem bedeutenden TV-Format eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Mit dem Beitrag von Sabrina Maar hat die Pflege eine herausragende Stimme bekommen. Sie ist in der Lage, auf einer tiefen Empfindungsebene die Bedeutung von Pflegekräften zu betonen, auch wenn sie dabei in ihrem Text zu einer Maschine mutieren muss. Sie kämpft darum, dass ihr im Arbeitsalltag Momente der Reflexion zugebilligt werden, z.B wenn sie dem Licht des Leichenwagens hinterher schaut und genau weiß, dass hier geschwiegen wird, weil niemals das erreicht werden kann, was erreicht werden muss.

Wie geht es wohl Merkel, Seehofer, Gröhe und all den anderen Politikern, die in diesem Wahlkampf sehr wohl zu Wissenden um den schlechten Zustand der Pflege geworden sein dürften? Ihnen muss bewusst sein, dass jedes noch so kleine Stärkungsgesetz letztendlich ein Ablenkungsmanöver der tatsächlichen Pflegemisere ist. Können diese Politiker es weiterhin verantworten, dass der Pflege Menschen wie Sabrina Maar verloren gehen, wenn sie ihnen nicht durch ein tatsächliches und nachhaltiges Rettungspaket dabei behilflich sind zu bleiben?

Sabrina Maar, die auf der CareSlam-Bühne in Berlin bekannt wurde, dürfte mit diesem Plädoyer nun dafür sorgen, dass eine breitere Masse beginnt zu begreifen, dass es sich lohnt, eine weitsichtige Pflegepolitik einzufordern.

Die Gründerin und Initiatorin des CareSlams Yvonne Falckner sagt dazu, dass es ihr besonders wichtig sei, dass die wirklichen Experten über Pflege sprechen und berichten: Die Betroffenen selbst. Über Pflege und die Pflegenden wird oft gesprochen und gerichtet, aber letztendlich sind, obwohl es viele sind, Pflegekräfte mit ihrem breiten Wissen und ihrer emotionalen Intelligenz ein vollkommen unentdecktes Land. Deswegen arbeite ich in Berlin im Theater und gebe dort seit Herbst 2015 regelmäßig der Pflege einen Raum.

Der CareSlam arbeitet qualifikationsübergreifend und intergenerativ, um die Vielschichtigkeit der Pflege zu zeigen.

Bereits am 12.05.2017, dem Internationalen Tag der Pflege, fand ein bundesweiter Aktionstag der Pflege statt. Im Rahmen dessen war die Gefährdungsanzeige Thema auf dem siebten CareSlam. Hier arbeitete CareSlam mit dem Verein „Pflege in Bewegung“, zusammen. Im Laufe des CareSlams wurden dann sinnbildlich Gefährdungsanzeigen im Theater geschreddert, um darauf hinzuweisen, dass die Leitungen in diesem massiven, extrem gefährlichen Notstand keine andere Wahl mehr haben, als nicht wirklich auf die angezeigten Gefährdungen in den Institutionen zu reagieren.

 Yvonne Falckner schreddert symbolisch Gefährdungsanzeigen auf dem siebten CareSlam. Foto: Thorsten Strasas

Yvonne Falckner schreddert symbolisch Gefährdungsanzeigen auf dem siebten CareSlam. Foto: Thorsten Strasas

Zur Kampagne des Vereins und weiterer Mitstreiter wie der "WIR! Vereinigung pflegender Angehöriger Deutschland e.V. ", der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, einigen Städten vom bundesweiten Personenbündnis Pflege am Boden und der Siegener Initiative "Wa(h)re Gesundheit - da hilft nur noch beten?". gehörte es, im Vorfeld mit einer Unterschirftensammlung und mit Informationen an die Bevölkerung ihre Forderungen nach mehr Personal, bessere Bezahlung und Mitsprache in politischen Entscheidungsprozessen zu vermitteln.

Am bundesweiten Aktionstag konnten dann 10.000 Unterschriften an einen Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums nebst der mündlichen Forderung nach verbesserten Rahmenbedingungen für Beschäftige in der Altenpflege, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und für pflegende Angehörige überreicht werden. Auch hier können die Begriffe der Anstalt "unerhört" und "ungehört" Verwendung finden, da bis heute von Seiten der Bundesregierung keine wirkliche Reaktion auf die Aktionskampagne erfolgte.

 Übergabe der Unterschriften beim Bundesministerium für Gesundheit. Foto:  Christian Ditsch .

Übergabe der Unterschriften beim Bundesministerium für Gesundheit. Foto: Christian Ditsch.

"Da wir uns aber inzwischen unaufhaltsam auf dem Weg zur Pflege-Katastrophe befinden, war es jetzt einfach an der Zeit die Gefährdungsanzeige auf eine neue Ebene zu bringen."

So Marcus Jogerst-Ratzka, dem stellvertretenden Vorsitzenden von Pflege in Bewegung e.V..

CareSlam und Pflege in Bewegung e.V. appellieren deshalb heute gemeinsam an die Zuschauer und Bürger dieser Republik, insbesondere an die Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, die täglichen Missstände nicht mehr schweigend hinzunehmen, sondern sich endlich bundesweit Gehör zu verschaffen!

Aus diesem Grund wird es jetzt zusätzlich eine Gefährdungsanzeige direkt für Gesundheitsminister Gröhe geben, damit das Ignorieren, Schreddern und Zuschieben von Verantwortlichkeiten endlich aufhört und die Politik das Thema endgültig zur Chefsache macht.

Auf auf CareSlam.org und Pflege-in-Bewegung.de haben die Pflegeprofis eine Gefährdungsanzeige an Gesundheitsminister Gröhe bereitgestellt. Diese sollen direkt per Post ans Gesundheitsministerium gesendet werden.

Um die Aktion in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, kann folgender Satz über die sozialen Medien wie Twitter oder Facebook geteilt werden:

Ich habe eine Gefährdungsanzeige an Gesundheitsminister Gröhe gesendet
#DieAnstalt#CareSlam#PflegeinBewegung#Gefährdungsanzeigean Gröhe#RettungspaketPflege

Schön wäre es auch, dazu Bilder, wie z.B. beim Einwurf in den Briefkasten hochzuladen.

Es ist natürlich ausdrücklich erwünscht, dass sich auch die Pflegebedürftigen und die Pflegenden Angehörigen mit dieser Aktion solidarisch erklären können, die auch durch "Die Anstalt" unterstützt wird. Pflege ist ein gesellschaftlicher Wert!

Lassen Sie uns der Politik gemeinsam zeigen, dass wir uns nicht mehr mit Peanuts abspeisen lassen , sondern uns nur noch mit großen Rettungspaketen zufrieden geben.

Die Zeit drängt!

Hier geht es zur Aktion: Gefährdungsanzeige an Bundesminister Hermann Gröhe.

 

Autoren: Yvonne Falckner, Roger Konrad.

 Sabrina Maar auf dem fünften CareSlam. Foto: Thorsten Strasas

Sabrina Maar auf dem fünften CareSlam. Foto: Thorsten Strasas