Dieser Pflegetag war anders…

Der Deutsche Pflegetag 2017 war anders. Er war politischer, hofierender und männlicher.

Schon an der Tür spürte man eine andere Atmosphäre. Die Pflege hat sich anders positioniert. Die Veranstaltungsräume in der schon bekannten STATION zeigte sich in neuer Aufteilung. Im Zentrum stand die Hauptbühne. Über diese Bühne sollten während der gesamten Veranstaltung mehr Männer über den immer noch überwiegend weiblichen Beruf das Wort ergreifen. Einige versuchten auch die Pflege von dort aus, aufgrund antiquierter Pflegebilder, zu kränken.

Doch erst einmal der Reihe nach.

Die Auftaktveranstaltung wurde von Sandra Postel, Vizepräsidentin Pflegekammer Rheinland-Pfalz moderiert. Voller Sicherheit und mit freundlicher Bestimmtheit führte sie durch das Programm.

Es folgte das Grußwort des Geschäftsführers des Veranstalters Schlütersche Verlagsgesellschaft, Lutz Bandte. Als zweiter Redner erschien der ungeduldige Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates. Sichtlich fiel es ihm schwer, dass er nur Grüßen durfte, denn nur zu gerne hätte er schon zur Grundsatzrede angesetzt. Seine Position darzulegen, konnte er sich jedoch nicht verkneifen, als er anführte, dass er 2013 für die Etablierung des Deutschen Pflegetages belächelt wurde, dass es jedoch seinen Mitstreitern und ihm wichtig war, eine Plattform zu schaffen, die der Pflege eine andere Wertigkeit gibt. Man könnte auch sagen: der Pflegetag 2017 lächelt zurück.

Ein wirkliches starkes Zitat während Grußwortes von Andreas Westerfellhaus war: “Wir sind nicht die Leibeigenen der Arbeitgeber“.

Als letzter Redner erschien Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe, der immer wieder in den Wahlkampfmodus abtauchte und dem Publikum mitteilte, dass bereits viel geschehen sei. Herr Gröhe führte besonders gerne die zusätzlichen Betreuungskräfte an. Sicherlich ist es gut, dass es zusätzliche Betreuungskräfte gibt, aber wenn man die Qualifizierungsdauer dieser und die sensiblen Einsatzbereiche von Betreuungskräften bedenkt, sollte man auch hier das Abwatschen der Pflege deutlich heraushören. Zu Gute halten muss man dem Gesundheitsminister, dass er weiterhin an die Generalistik glaubt und sich gerne von dem ungeduldigen Andreas Westerfellhaus antreiben lässt.

Wir ziehen weiter durch die Messehalle. Die Stände waren diesmal stärker mit dem Thema Pflege verbunden. Der Stand des Deutschen Pflegerates und der Pflegekammer Rheinland-Pfalz zeigte sich mit Sitzgelegenheiten, die durchgängig besetzt waren. Ein reger Austausch fand dort statt. Ansonsten präsentierten sich diesmal auch kleinere Vereine und Selbsthilfegruppen.

Ein besonders interessanter Stand war der von „Pflege in Bewegung e.V.“. Dies ist ein Verein, der aus der Bewegung „Pflege am Boden“ hervorgegangen ist. Roger Konrad, Altenpfleger, ist der Vorsitzende. Stellvertreter ist der Krankenpfleger Marcus Jogerst-Ratzka, der mittlerweile der Öffentlichkeit recht bekannt ist. Jogerst-Ratzka ist Hauptprotagonist des Buches „Jeder pflegt allein“, recherchiert und geschrieben vom Mitgründer des Correctiv-Verlags und Grimmepreisträger Daniel Drepper.

„Pflege in Bewegung“ wurde gut angenommen, insbesondere von den Menschen, die Probleme mit dem Titel „Pflege am Boden“ hatten.

Momentan läuft die Kampagne „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ von „Pflege in Bewegung“ in Zusammenschluss mit der „Wir – Vereinigung pflegender Angehörige Deutschland (WVPAD) e.V.“ und mit Unterstützung durch u.a. der Pflegekammer Rheinland-Pfalz.

Diese Trias ist insofern interessant, als dass sie eine Brücke zwischen beruflich Pflegenden, pflegenden Angehörigen und der Vertretung durch die Kammer bildet, die für die Sicherstellung einer sachgerechten, professionellen und wissenschaftlichen Pflege steht. Gerade durch die zusätzliche Ambulantisierung haben die Seiten der pflegenden Angehörigen und der beruflich Pflegenden Austauschbedarf, da sich neue Problematiken und Ressourcen zeigen werden. Da ist dieses Beisammenstehen eine gelungene Sache. Wir sind keine Feinde, sondern wir sind immer die andere Seite der jeweiligen Medaille, sofern es sich um pflegende Angehörige mit Pflegebezug handelt.

Die „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ hat als Symbol einen roten Alarmknopf, der den Personalmangel in der Pflege zeigt! Dieser Alarmknopf wurde am Stand von „Pflege in Bewegung“ als Aufsteller vorgestellt und es wurden Fotos, von Menschen, die den Knopf drückten, gemacht. Eine schöne Fotosammlung ist dabei entstanden. Wer nicht den Knopf drücken konnte, kann die Online-Petition unterschreiben oder Unterschriften sammeln. Flyer können beim Verein bestellt werden.

Am 12.05.2017, zum Tag der Pflegenden, wird die Kampagne zum Abschluss in Berlin einen Aktionstag mit Großaktion am Brandenburger Tor und einem abendlichen Besuch auf der Bühne beim CareSlam durchführen.