Erster CareSlam.

„Ich wünsche dem CareSlam, dass es eine bundesweite Aktion werde, dass zukünftig in unserer Republik die Pflegenden immer mehr anfangen, über sich zu reden, zu schreiben, zu lesen und zu performen. Über das was Ihr tut. Tag für Tag und Nacht für Nacht. Werdet laut. Sprecht es aus. Schreit es raus. Und flüstert, wo es den Flüsterton braucht.“

Prof. Dr. Michael Bossle.

Wir haben die Pflege auf die Bühne gestellt!

Der erste CareSlam ist über die Bühne gegangen und wir tupfen uns die Lampenfieberperlen von der Stirn.

Mit den typischen Geräuschen einer Intensivstation werden die Zuschauer ins Theater gebeten. Auf der Bühne erscheint eine Frau mit Laterne, ist es „The Lady with the lamp“? Nein, es ist Yvonne Falckner, die den ersten CareSlam eröffnet und davon berichtet, dass Florence Nightingale im Krimkrieg die Sterberate senkte, indem sie auch in der Nacht zu den Kranken ging und dabei eine Laterne trug.

Auch heute noch tragen Pflegende eine Laterne bei sich, es ist die Taschenlampe, mit der sie in der Nacht durch die Krankenzimmer gehen. Bei Menschen mit Hirnverletzungen leuchten sie mit einer kleinen Taschenlampe in die Augen, um zu schauen, ob der Mensch Hirnzeichen entwickelt und evtl. in Gefahr kommt.

Pflege ist oft Licht und wird doch so oft in den Schatten gestellt.

Genau deswegen soll es einen CareSlam geben, eine Sorgeschlacht, die dazu dient, den beruflich Pflegenden, die Möglichkeit zu geben, die Stimme zu erheben und von ihrer wahren Profession zu berichten, die jenseits von Kitschromanen und verhärmten Schwestern liegt.

Einer, der das sofort verstanden hat, ist der Schirmherr: Prof. Dr. rer. cur. Michael Bossle von der Technischen Hochschule Deggendorf. Sein Grußwort wird vorgetragen und er wünscht laut und stark: „Nurses, shout it out!“.

Mona Löffler-Jahraus, die Mitgründerin des CareSlams tritt auf die Bühne, wünscht einen wunderschönen Abend und bedankt sich bei allen Unterstützern: Marcus Jogerst-Ratzka, Michael Thomsen, das Team vom Neuköllner Dschungel und das Team der Alten Feuerwache.

Jetzt wird es spannend, die erste Slammerin wird angekündigt. Auf der Bühne erscheint Anja Herzog. Mit einem intensiven Beitrag bedankt sie sich bei ihren Eltern, die ihr während ihrer Krebserkrankung zur Seite standen und beleuchtet insbesondere, wie es sich anfühlt, wenn man als Profi selbst pflegebedürftig wird.

Sie geht mit uns ins Gericht, schneidend wie ein Messer und doch wohlwollend. Kranke wollen Menschen bleiben.

Im T-Shirt “Survival Camp Station 6″ erscheint der Intensivpfleger und Student Mathias Düring auf der Bühne. Ernsthaft, mitreißend und doch mit Humor berichtet er von der „Grundpflege auf der Intensivstation“. Viele Kabel müssen geordnet werden, bevor der Mensch zum Vorschein kommt und siehe da, er ist so empfindlich wie ein Neugeborenes.

Jill Kamphöner und Sabine Zessel von GerontoPro erscheinen als Duo auf der Bühne und berichten vom „Wahn und Sinn in der Altenpflege“. Sie halten uns den Spiegel vor, indem sie darlegen, wie die Akteure in der Pflege und Versorgung alter Menschen oftmals die drei Affen spielen. Sabine ärgert sich, dass sie als Ernährungsexpertin häufig keine Mandeln als gesunde Eiweißquelle bestellen durfte, aber sehr wohl Protein88.

IDREF der rappende Altenpfleger nimmt uns mit und zeigt uns seinen sensiblen Blick auf die Altenpflege im Lied „Alt und Krank“ fordert er uns dazu auf, dass wir den alten Menschen ein letztes gutes Zuhause geben sollen.

In der Pause ruft Barmann Uwe zur Schmalzstulle und Getränk. Cordula die Technikerin ist froh, dass die erste Zusammenarbeit läuft.

Die Sexualassistentin und Prostituiertenaktivisten Stephanie Klee zeigt mit einer lebhaften Natürlichkeit und doch aufrüttelnden Derbheit, wie wichtig es für Menschen mit Handicaps und Demenzerkrankungen ist, in ihren sexuellen Bedürfnissen ernst genommen zu werden.

Hochachtung für diese Frau, denn sie kann der Pflege, die tagtäglich über Körper- und Schamgrenzen hinweg arbeitet, dabei behilflich sein, einen anderen Umgang und Blick auf Sexualität zu erlangen und damit letztendlich auch ein Stück der eigenen, historische Prüderie innerhalb der Pflege zu heilen.

IDREF kommt noch einmal auf die Bühne und fordert uns auf, dass wir „Gemeinsam“ stark sind, um eine menschenwürdige Pflege auf die Beine zu stellen.

Der erste CareSlam ist zu Ende.

Viele erfreute Gesichter, ein wunderschöner Applaus und eine noch tiefere Verneigung für das Publikum krönen den Abend.

Es geht weiter. Wir werden weitermachen, da die Pflege eine Stimme braucht.

Die wunderschöne Fotodokumentation wurde von Thorsten Strasas festgehalten.