Dritter CareSlam.

„Ich sehe die Angst und den Hass in vielen Gesichtern und denke, Resilienzen wären nicht schlecht.“

Kerstin Vietze.

Am 2. April 2016 hatten wir eine lebendige Spätschicht auf der ‎CareSlam‬-Bühne. Das gesamte Team erschien zum Dienst und bildete einen starken Kreis um die unterschiedlichsten Pflegethemen.

Zusätzlich hatten wir diesmal das große Glück, dass wir unseren Vertreter Andreas Westerfellhaus‬, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V., auf der Bühne begrüßen durften. Locker und flockig beantworte er alle Fragen. Wir konnten herausfinden, dass er sich jung fühlt, gelegentlich Bananen isst und für die Pflege und seine Familie brennt.

Im ernsten Teil der Veranstaltung forderte er die Pflegekräfte auf, dass sie sich einmischen und sichtbar machen sollen und baute ein Zelt ab, um ein Zeichen für „Pflege ohne Rassismus“ zu setzen. Hierbei wurde die von Andreas Westerfellhaus gehaltene Rede über „Flüchtlinge in der Pflege“ vom Deutschen Pflegetag eingespielt.

Dieser klaren Positionierung schließt sich das CareSlam-Team an.

Als Bühnensymbol verwendeten wir hierzu mit Stacheldraht umwickelte Spritzen und adaptierten damit das Kerzensymbol von Amnesty International. „Pflege ohne Stacheldraht“ bedeutet, dass wir uns dafür einsetzen, den ICN Ethikkodex für Pflegende weiter in die Gesellschaft und Profession zu tragen.

Insbesondere folgender Abschnitt spiegelt die soziale Verantwortung der Pflegenden wieder.

„Die Pflegende teilt mit der Gesellschaft die Verantwortung, Maßnahmen zugunsten der gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung, besonders der von benachteiligten Gruppen, zu veranlassen und zu unterstützen.“
ICN Ethikkodex für Pflegende.

Andreas Westerfellhaus auf dem Deutschen Pflegetag 2016 zum Thema Geflüchtete.

„…und weil ich zwei Möglichkeiten habe, wähle ich die dritte…“

Sabrina Maar

Eine wunderbare Situation war, dass wir das Slam-Naturtalent ‎Sabrina Maar‬ bei uns auf der Bühne begrüßen durften. Die Altenpflegeschülerin im ersten Lehrjahr absolvierte ihr Debüt auf einer Bühne, ging mit ihrem Beitrag direkt ins Herz und sorgte für Gänsehaut.
Sie wurde zum Bagger und schaufelte und schaufelte, um ganz plötzlich zur Bewohnerin zu werden.

Monja Schünemann‬ erklärte uns, dass die Heiligen der Krankenpflege Männer sind und der eine sogar Gott mit Nachnamen heißt. Trotzdem empfahl sie den Pflegekräften, dass sie sich keine Arschkarte für einen Heiligenschein vormachen lassen sollen.

‪‎Kerstin Vietze‬, eine Wiederholungstäterin, forderte mit einer tiefen und stillen Gewissenhaftigkeit „Resilienzen, jetzt!“ Ihre tiefe Beobachtungsgabe kam hierbei besonders zum Vorschein. Sie konnte außergewöhnlich gut den Kräfteverlust und die schwindende Widerstandsfähigkeit in der Gesellschaft, insbesondere im sozialen Bereich benennen. Leider wissen wir nicht, wo Resilienzen liegt, aber laut Kerstin Vietze findet sich ein Zugang im Herzen.

Inge Wollschläger‬ erschien nach der Pause auf der Bühne und holte sich erst einmal eine Beschwerde ab, weil das Qualitätsmanagement die besondere Frage stellte:  Warum bei Pat. XY die Banane im Obstsalat fehlte? Daraufhin zückte sie ihre imaginäre Schreibmaschine und schrieb direkt eine Beschwerde über Pat. XY, XY, XY an das Qualitätsmanagement und da dieses nicht antwortete, leitete sie den Brief an Gott weiter. Sie wissen ja, wenn sie mit Gott sprechen, dann beten sie, sollte er antworten, nennt man das Psychose.

‪‎Eva Maria Endruweit‬ erschien mit einem Einhorn auf der Bühne, welches sie direkt vor dem BMG einfangen konnte. Sie konnte sich die neuen Pflegekräfte nicht gut vorstellen, obwohl sie für die generalistische Ausbildung eintritt. Sie verteilte für die Pflegeplanung der Ausbildung eine 6- und musste „Gröhlen, weil alles so Lau-Mann ist!“

‪‎Anja Herzog‬ setze sich mit „der Notwendigkeit Kommunikation in der Grundpflege“ auseinander und gab zu, dass sie besonders gerne mit Menschen arbeitet, die mit herausforderndem Verhalten gesegnet sind. Die Herausforderung kitzelt in Anja Herzog die Fachkraft hervor und nichts ist schöner, als über spezielle Kommunikationstechniken einen Menschen dort abzuholen, wo er sich gerade befindet.

‪‎Mathias Düring‬ erschien mit Piraten-OP-Haube als Narkoseschwester auf der Bühne. Wir durften daran teilhaben, dass die Vorbereitung einer guten Narkose von einigen Hindernissen begleitet wird. Im OP wird wohl auch häufiger mal gerappt, da es viele Abkürzungen gibt. Eine besonders schwerwiegende Erkrankung ist der Morbus Maskulinum. Männer, die schon beim Legen eines Zugangs liegen. Doch Mathias Düring wäre nicht unsere Narkoseschwester, wenn er nicht alles mit Fassung tragen würde und immer darauf bedacht, die Würde des Einzelnen zu wahren.

‪‎Christian Mulzof‬ der einbeinige Bühnenbandit führte uns einen atemberaubenden Rolli-Breakdance mit echter Stunteinlage vor. Gott sei Dank mussten wir keine Erste Hilfe leisten. Im zweiten Part erschien er als eifersüchtige Ehefrau, die doch glatt ihren Ehemann von der Bühne verwies.

Yvonne Falckner‬ halluzinierte sich derweil durch das Bühnenprogramm und konnte sich hin und wieder orientieren.

Trotz des Zustandes möchte sie sich bei allen Mitgliedern der diesmaligen CareSlam-Schicht bedanken und freut sich, wenn das Publikum, die CareSlam-Idee weiter in die Welt trägt. Ihrem sichtbaren- und unsichtbaren Team spricht sie ihren tiefen Dank und Würdigung aus. Mit einem weinenden Auge verabschiedete sie Mona Löffler-Jahraus und wünscht ihr vor allem Gesundheit und mit einem lachenden Auge begrüßt sie ‪‎Marika Lázár‬, die von nun an mit einem tiefen Blick und Können, die Halluzinose der Falckner begleitet. Da es aber sichtbare Fotos von ‪‎Thorsten Strasas‬ über die Aktionen der CareSlam-Station gibt, sind wir uns nicht so sicher, wer nun wirklich spinnt… Und ein ‪‎Sören Karger‬ war wohl auch mit einer Kamera unterwegs. Diesen beiden Personen zollt sie ihren besonderen Dank.